Geht die Zahl der Christen in Europa zurück?

Im europäischen Mittelalter hatte man keine andere Wahl, als sich den Christen anzuschließen. Das Christentum war die Staatsreligion der damaligen westlichen Welt und als solche hatte jeder Einwohner ihr anzugehören. Das ist heute anders; gleichzeitig geht heute die Zahl der Christen in Europa drastisch zurück, und das nicht nur im Vergleich zum Mittelalter.

Der Skandal der katholischen Kirche
Sehr viele Christen haben die katholische Kirche verlassen, nachdem die Missbrauchsskandale an die Öffentlichkeit gelangten. Dies ist zwar nicht der Hauptgründe für den Rückgang der europäischen Christen, denn es gibt nicht mehr nur die katholische Kirche in Europa. Gerade im Jahre 2011 allerdings darf man diesen Grund für die sinkenden Zahlen aber nicht außer Acht lassen, da sich die Austritte aus der Kirche über einen längeren Zeitraum hinzogen und gerade die katholische Kirche nachhaltig schwächten.

Glaube und Vernunft
Viele Menschen finden heute einfach keinen Zugang mehr zum Glauben. Sie schaffen es nicht, die Brücke zwischen Vernunft und Glaube zu schlagen. Der Glaube gibt dem Christen vor, an Gott zu glauben und zu hoffen, dass er auch alles bekommen wird, was ihm in der Bibel versprochen wird. Die Vernunft jedoch widerlegt grundlegende Teile der Bibel, so etwa schon die Schöpfungsgeschichte. Während der Glaube früher Sache des Staates war, ist er heute eine persönliche Entscheidung geworden – und diese Entscheidung fällt immer häufiger gegen das Christentum aus.

Kirchensteuer
Manche Christen würden vielleicht in der Kirchengemeinschaft bleiben, wenn ihnen daraus keine Nachteile erwachsen – auch, wenn sie nie in die Kirche gehen und nicht einmal mehr gläubig sind. Die Kirchensteuer ist jedoch das Argument, das sie zum Austritt bewegt. Sie frisst zwar keine Unsummen des Gehalts, doch sie irritiert manche Kirchenmitglieder, die die Angebote der Kirche gar nicht nutzen und kein Interesse daran zeigen. Ein so oder ähnlich motivierter Austritt bedeutet zwar, dass statistisch die Zahlen der Christen in Europa zurückgehen und der Atheismus sich als die neue, inoffizielle “Religion” vieler westlicher Nationen erweist, doch wirklich gläubige Christen sind heute ohnehin die Seltenheit. Die meisten Menschen, die sich als solche bezeichnen, sind lediglich noch Mitglieder der Kirchengemeinde, glauben aber nicht tatsächlich an Gott oder an die christlichen Lehren. Das wiederum legt nahe, dass der Christenschwund noch viel extremer ist, als er auf dem Papier steht, denn nicht jeder tritt aus der Kirche aus, obwohl er alles andere als gläubig ist – viele bleiben, um die wohltätigen Projekte der Kirche zu unterstützen.