Das frühe Christentum in Europa

Der über mehrere Jahrhunderte andauernde Prozess der Christianisierung Europas erfasste die verschiedenen Regionen mit unterschiedlicher Nachhaltigkeit und Intensität.

In der Zeit vom 3. bis 9. Jahrhundert n. Chr., wurde der stark verbreitete heidnische Glaube immer weiter vom Christentum verdrängt, was die Kultur und gesellschaftliche Entwicklung, wie wir sie heute kennen, in Europa nachhaltig geprägt hat. Die Missionierung begann bei den einflussreichen Persönlichkeiten und Herrschern. Durch die Annahme des Christentums ergaben sich für sie neue Möglichkeiten der religiösen Legitimierung, durch die Verbindung von politischer und kirchlicher Macht. So ließen sich seit dem frühen Mittelalter die christlichen Könige Europas salben. Der westgotische Herrscher Wamba war im Jahre 672 der erste, der eine rituelle Königssalbung erhielt.

Der vielschichtige Prozess der Christianisierung in den verschiedenen Regionen Europas geschah stufenweise. Recht früh wurden die Provinzen des Römischen Reiches mit christlichen Botschaft versorgt, während sich die Randgebiete des Imperium Romanum nur schubweise bekehren ließen.
Der Prozess zog sich über 3 Jahrhunderte hin und war, obwohl alle nichtchristlichen Religionen bereits um 400 n. Chr. Verboten wurden, erst gegen Ende der Spätantike, um 600 n. Chr., zum größten Teil abgeschlossen.

Das germanische Gebiet wurde erst im späten Hochmittelalter vom christlichen Glauben erreicht. Wobei sich das gotisch arianische Christentum bereits im 4. bis 6. Jahrhundert durchsetzte. Die Goten waren die ersten, die an der unteren Donau mit der neuen Religion in Berührung kamen und Karl der Große zwang im 8. und 9. Jahrhundert die Sachsen zur Annahme des Christentums.

Mit der Taufe Chlodwigs im Jahre 499 wurde auch die, bis zu diesem Zeitpunkt heidnische, fränkische Oberschicht katholisch. Die Christianisierung des fränkischen Reiches zog sich schließlich über gut 4 Jahrhunderte bis ins frühe 9. Jahrhundert hinein. Die Angelsachsen erreichte das Christentum in der Zeit vom 6. bis 7. Jahrhundert und die Völker im Norden Europas entsprechend spät, zwischen dem 10. und 11. Jahrhundert.

In Osteuropa wurden vom 7. bis 9. Jahrhundert die Serben missioniert und im 9. Jahrhundert wurde schließlich das neue Testaments ins Slawische übersetzt, wodurch das Christentum einen Großteil Osteuropas erreichte. Russland erfuhr eine christliche Massenbekehrung um die Jahrtausendwende durch Wladimir I. Anschließend breitete sich das Christentum im 12. Jahrhundert, hauptsächlich durch die Missionierung von Mönchen, auch im oberen Wolga Gebiet aus. Ungarn wurde zwischen dem 10. und 11. Jahrhundert durch die Unterstützung von Stephan I. und dem Königshaus von der christlichen Botschaft erreicht. Der Großteil des Baltikums wurde schließlich im 10. bis 13. Jahrhundert von Deutschland zwangschristianisiert.